Veranstaltung der IG vom 24.02.2026

Wälder und Waldstrukturen im Klimawandel- Was lernen wir aus Naturwäldern?

So lautete der Titel des Vortrages von Professor Hussendörfer von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, an der er Waldbau, Ökologische Genetik, Forstliches Vermehrungsgut und Naturgemäße Waldwirtschaft lehrt. Als Experte in der Forstwissenschaft ist er an Forschungsprojekten zu den großen zusammenhängenden Wäldern Osteuropas beteiligt. 

Obwohl der Klimawandel global zu spüren ist, sind unberührte Naturwälder unempfindlicher gegenüber den veränderten Klimabedingungen verglichen zu unseren Wirtschaftswäldern.

Naturwälder haben :
- geschlossene Struktur, es herrscht dort ein kühl-feuchtes Waldinnenklima
- breites Altersspektrum der Bäume (von jungen Bäumen bis ca. 300 Jahre alte Bäume)
- viel Totholz
- keine verdichteten Böden, da kein Wegenetz.

Dies trägt zu gesunden Böden, einem intakten Wasserhaushalt und zu hoher Artenvielfalt bei.
Der Wald zeigt dort eine hohe Resilienz gegenüber Klimaveränderungen.

Übertragbar auf Wirtschaftswälder ist die Erkenntnis, dass Wälder mit offenen Innenflächen > 3000 qm (=0,3 ha) stark der Wasserverdunstung und somit der Trockenschädigung bis zum Absterben der Bäume ausgesetzt sind. Solche großen offenen Flächen mitten im Wald heizen sich stark auf und schädigen fortschreitend die angrenzenden Waldbereiche.
Beim Thema Bodenverdichtung wurde gezeigt, dass 10 % verdichtete Waldfläche für 36% Oberflächenabfluss sorgen“. Wasser, das “blaue Gold des Waldes“, wird somit dem Waldboden vermehrt entzogen. Der Oberflächenabfluß führt ebenso wie die Verdunstung auf offenen Flächen zur Störung des natürlichen Wasserhaushaltes im Wald.

Massive Eingriffe wie Schaffen von offenen Flächen über 0,3 ha mitten im Wald und Verdichten des Waldbodens erfolgen beim Bau von Windenergieanlagen im Wald. Diese Eingriffe führen über Jahre hinweg zum Absterben des Waldes.
Karten des Waldmonitorberichtes des Helmholz-Zentrums für Umweltforschung, Leipzig, zeigen deutlich diese fortschreitenden Veränderungen im Bereich um Windenergieanlagen und deren Zuwegung. Mit dem Schwinden dieser Wälder gehen die vielfältigen Funktionen des Waldes für uns Menschen verloren. Die Schädigung unserer natürlichen Lebensgrundlagen wie Luft, Boden, Wasser, Klima und Biodiversität sowie Einbußen in der Holzproduktion und Verlust von Naherholungsraum sind durch den Bau von Windenergieanlagen im sensiblen Waldökosystem vorprogrammiert.
Der Wald als „Multitalent“ verliert dort seine Wirkung.


Feedback eines Besuchers der Veranstaltung:
🌲💧 Ich war am Dienstag beim Vortrag „Wälder und Waldstrukturen im Klimawandel“ – und ich gehe selten so nachdenklich und gleichzeitig so klar aus einem Abend heraus.

Sachlich, wissenschaftlich und ohne politische Schlagseite wurde gezeigt, was es bedeutet, eine geschlossene Waldfläche aufzubrechen – insbesondere, wenn Wald für Infrastruktur wie Windkraftanlagen (WKA) genutzt werden soll.

Was mich besonders bewegt hat (und was ich aus den gezeigten Folien mitnehme):

Der Wald ist ein „Multitalent“ – und nicht ersetzbar.
Er ist nicht nur Holzlieferant, sondern erfüllt zentrale Ökosystemleistungen: Klimaregulation, Kohlenstoffspeicherung, Luftreinhaltung, Trinkwasser, Bodenschutz, Biodiversität, Erholung – und vieles mehr. Genau diese Funktionen brauchen wir im Klimawandel mehr denn je.

✅ Waldboden = Wasserspeicher.
Der Waldboden wirkt wie ein Schwamm. Wird er durch Rodung, Baustraßen, Kabeltrassen und schwere Maschinen verdichtet, verändert sich der Wasserkreislauf massiv. Eine Folie hat es brutal klar gemacht:
„10 % verdichtete Waldfläche sorgen für 36 % Oberflächenabfluss!“
Mehr Abfluss heißt: weniger Versickerung, weniger Grundwasserneubildung, mehr Erosion – und im Zweifel weniger Wasser dort, wo wir es brauchen.

✅ WKA im Wald bedeuten nicht nur „ein Fundament“.
Wer Bilder von breiten Zufahrten, Baustellenflächen und Eingriffen gesehen hat, versteht: Das ist eine Industrieanlage mit dauerhafter Infrastruktur – und diese Infrastruktur steht im direkten Konflikt mit dem, was einen Wald stabil macht: Geschlossenheit, ungestörter Boden, intakte Wasserwege.

✅ Badenweiler & Umgebung: Wasser ist kein Nebenthema.
Gerade rund um Badenweiler sind Quellen und Wasserhaushalt ein zentraler Teil unserer Natur und Lebensqualität. Wenn wir oben am Blauen den „Wasserspeicher Wald“ stören, ist es aus meiner Sicht sehr plausibel, dass das Auswirkungen auf Quellschüttungen und den regionalen Wasserhaushalt haben kann – und genau dieses Risiko sollten wir nicht kleinreden.

✅ Der Klimawandel zwingt uns zum Umdenken – nicht zum Aufbrechen der letzten stabilen Waldkerne.
Die Folien zum „Waldsterben 2.0“ und der Blick auf Waldzustandskarten haben gezeigt, wie stark Wälder bereits unter Druck stehen. In so einer Lage sollten wir jede zusätzliche Störung in geschlossenen Waldflächen vermeiden, statt sie zu vergrößern.

🙏 Danke an die Interessengemeinschaft Lebensraum Blauen für diesen Abend – und für euren kontinuierlichen Einsatz zum Schutz der sensiblen Natur an unserem Hausberg. Das ist wertvolle Arbeit für uns alle.
🙏 Danke auch an Prof. Dr. Erwin Hussendörfer für den hervoragenden Beitrag!

📌 Mein Fazit:
Erneuerbare Energie ist wichtig. Aber der Standort zählt. Und im Wald – vor allem in sensiblen, geschlossenen Waldgebieten wie am Blauen – haben Industrieanlagen und die dafür nötigen Eingriffe aus meiner Sicht nichts verloren.

Wenn ihr wollt, dass Entscheidungen bei uns in der Region auf Wissen, Boden- und Wasserrealität basieren: Teilt den Beitrag und sprecht darüber. 🌲
#blauen #hochblauen #badenweiler #wald #Wasserhaushaltt #quellen #klimawandel #lebensraumblauen #markgräflerland


Neues aus Presse zur Region Blauen:

Was wir aus Naturwäldern lernen können
https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.vortrag-in-schliengen-was-wir-aus-naturwaeldern-lernen-koennen.30fe6901-81a7-4122-9ef5-63191d2ad448.html
Die Oberbadische Zeitung 13.03.2026

Im Einsatz in Schliengen für einen gesunden, klimaresilienten Mischwald
https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.ig-lebensraum-blauen-im-einsatz-in-schliengen-fuer-einen-gesunden-klimaresilienten-mischwald.a4544fde-e6bf-4107-8404-7ce5b14a036f.html
Die Oberbadische Zeitung 02.01.2026

Die Interessengemeinschaft Lebensraum Blauen pflanzt Eichen im Wald am Blauen
https://www.schliengen.de/site/Schliengen-2024/get/documents_E-2121986373/schliengen/Dateien/Amtsbl%C3%A4tter/2025/2025%20KW%2051.pdf
Amtsblatt der Gemeinde Schliengen 18.12.2025


IG Lebensraum Blauen, wer sind wir?

Wir sind eine Interessengemeinschaft, die sich für die Erhaltung des Lebensraumes am Blauen einsetzt und dessen Zerstörung durch einen gewaltigen Windpark verhindern will.

Die Interessengemeinschaft hat am 18.02.2024 einen Bürgerentscheid erwirkt, in dem 56,2% der Bürger sich gegen Windkraftanlagen auf den gemeindeeigenen Grundstücken im Wald aussprachen.
Wir bedanken uns bei den Wählerinnen und Wähler ganz herzlich für die hohe Beteiligung am Bürgerentscheid, für das eindeutige Votum, für den ermutigenden Zuspruch und die großartige tatkräftige Unterstützung.

Wir hoffen sehr, dass der Investor, die Bürgerwindpark Blauen GmbH & Co KG, die Mehrheitsentscheidung der Wählerinnen und Wähler respektiert und danach seine künftigen Aktivitäten ausrichtet.

Die IG Lebensraum Blauen hat sich seit dem Bürgerentscheid weiter intensiv mit dem Thema „Klimaneutrale Gemeinde“ beschäftigt. Sie wird ihre Arbeit fortsetzen und sich auch künftig für unseren Lebensraum am Blauen einbringen.

Seit dem Bürgerentscheid steht die IG Lebensraum Blauen im schriftlichen Kontakt mit dem Bürgermeister und hat Vorschläge zur regenerativen Energiegewinnung unterbreitet, wie z.B.

  • Photovoltaik auf dem neuen Feuerwehrgerätehaus sowie auf allen öffentlichen Gebäuden
  • Photovoltaik auf den Parkplätzen der Supermärkte in Schliengen

Wir brauchen den Schutz unserer Natur stärker denn je!
Alle, die sich aktiv mit uns dafür einsetzen wollen, sind willkommen.

Die Energiewende muss unseren Lebensräumen dienen und nicht umgekehrt.